SPOTLIGHT: Shout Out Louds – Work (26. Februar 2010)
Man kann sagen, dass die Shout Out Louds eine typische Indie-Rockband sind. Sie spielen keine besonders ausgefallene oder noch nicht dagewesene Musik – sie spielen einfachen Rock, dies aber mit viel Spaß, den man der fünf Mitglieder umfassende Band aus Stockholm gerne abnimmt. Und gerade dieses Unzwanghafte gefällt an ihnen. Man findet die Schweden gleich sympathisch und kann sich gut vorstellen, mit ihnen ein bisschen Spaß zu haben. Nun aber zum tollen Album. Im Opener 1999 wird aus frühen Jugendzeiten erzählt. How can I forget the nights we killed / every summer night, you know the sun never sets around here / That’s what we wait for all year erzählen sie hier von ihren Erlebnissen. Dabei kommt eine ungeheure Identität rüber. Fall Hard punktet mit einem tollen Refrain und erzählt von einer Freundschaft, wo der eine sich keine Sorgen machen muss, da der andere alles für ihn tut, wenn mal etwas schief läuft. Play The Game handelt davon, wie jemand von seinen Freunden verlassen wird und nun wieder mit dem Trinken anfängt. Und der Song wirkt auch wirklich “benebelt” – das gleiche gibt es noch mal beim Ende Too Late Too Slow. Hier zeigt sich, dass die SOL ein großes Spektrum an verschiedenen Songs spielen können. Das langsam anfangende Walls ist der Favouritesong der Band und mündet mit dem Refrain in ein tolles Finale. Den gleichen langsamen Aufbau kann man auch bei The Candle Burned Out feststellen. Throwing Stones ist ein interessanter Song über Liebe und Nachdenklichkeit, der wie wirklich alle Tracks auf dem Album eine geniale Melodie hat. Das gleiche bei Four By Four, wo es um Überforderung geht. Show Me Something New verbindet ruhige und nachdenkliche mit melodisch wie aus dem Bilderbuch entsprungenen Melodien und erzählt die Beziehung zweier Leute: You and I have a hard thing to describe / You have so much to live for, while I’m just dying to stay alive. Insgesamt kann man bei dem vierten Album der Shout Out Louds Work etwas fast Unbeschreibliches feststellen: Man fühlt sich einfach sofort wohl, die Musik ist einfach und doch clever, die fünf Bandmitglieder scheinen gleich wie dicke Freunde. Und was gibt es besseres?
Anspieltipps 1999 | Show Me Something New | Fall Hard ****1/2
Johnny Cash – American VI: Ain’t No Grave (26. Februar 2010)
Mit Ain’t No Grave haben wir das letzte Studioalbum der 2003 verstorbenen Country-Legende Johnny Cash in der Hand. Gewohnt gekonnt werden tolle Atmosphären erschaffen. Dieses Album dreht sich sehr viel um den Tod. Schon im Opener und dem Titelsong heißt es Ain’t No Grave Can Hold My Body Down. Dabei wird eine schaurige, nach Tod klingende Atmosphäre durch das Zupfinstrument Bonjo und Footsteps erschaffen. Redemption Day wirkt durch tiefe Orgeltöne gigantsich und handelt von der Erlösung von allem Leiden, Freiheit durch die Fahrt in den Himmel. Cash sagt, man solle nicht zum Ende des Lebens gucken, sondern sich an die schönen gemeinsamen Dinge erinnern (For The Good Times), auch bei Verwirrung weiter an das Ziel glauben (Can’t Help But Wonder Where I’m Bound), dass man mit Geld nicht alles kaufen kann (Satisfied Mind). In Last Night I Had The Strangest Dream geht es um das erträumte Ende des Kriegs und dem absoluten Frieden – eine schöne, aber recht skurille Vorstellung. Cash liefert ein interessantes letztes Album ab, welches sich unfreiwillig mit dem Thema befasst, dass der Karierre Cashs nun ein Ende gesetzt hat – dem Tod. Das mag nicht jedem gefallen, doch wenn man sich auf die Atmosphäre einlässt, erwartet man gute Sichtweisen und schaurig schöne Songs! ***3/4
Die Sterne – 24 / 7 (26. Februar 2010)
Die Sterne sind auf ihre Art und Weise schon etwas besonderes. Man kann nicht behaupten, dass es gerade viele deutsche Bands gibt, die eine solche Musikrichtung vertreten. Die Hamburger haben einige Einflüsse in ihrer Musik – auffallend sind aber vorallem die elektronischen Beats und Hip Hop Elemente, die einem oft das Gefühl geben, man würde hier Musik aus der Disco hören. Gleichzeitig bewegen sich die Sterne aber auch auf einem hohen Level, so vereinen sie eben diese Richtung mit guten Texten. Im Titelsong Convenience Shop zum Beispiel bezeichnen sie moderne Verkäufer als Sklaven und beklagen eben dieses 24/7-System. Ihr nun schon neuntes Studioalbum wirkt gleichzeitig aber auch etwas kantig und nicht gerade für den Verkauf geeignet. Man wünscht sich einfach noch mehr Feinheiten. So macht der harte Beat, die guten Texte und ständige Wiederholungen anfangs richtig Spaß. Schon bald wird aber gerade dies zum größten Problem und die genannten Dinge gehen einem auf die Nerven. 24/7 enthält tolle Ansätze, wirkt aber leider nicht ganz ausgereift. Im Shuffle-Modus durchaus nett anzuhören, ansonsten nur für eingefleischte Fans und Genre-Liebhaber zu empfehlen! **1/2
In der nächsten Ausgabe von Sounds, die voraussichtlich Ende Mai erscheinen wird, wird es unter anderem diese Reviews geben:
- Donots – The Long Way Home
- Lena – My Casette Player
- Dendemann – Vom Vintage Verweht
